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  • Inhaltsverzeichnis
    Vorwort 7
    I. Über die grundlegende Einheit von Mensch und Natur 12
    1. Dialektik der Natur 12
    2. Die Biosphäre – Grundlage des menschlichen Lebens 21
    3. Weltanschaulicher Kampf um die grundlegende Einheit von Mensch und Natur 36
    4. Marx’ und Engels’ grundsätzliche Kritik am Gothaer Programm 50
    5. Allgemeine Geringschätzung der Umweltfrage in der Arbeiterbewegung 57
    II. Kapitalismus und Umweltzerstörung 63
    1. Untergrabung der natürlichen Lebensgrundlagen und Ruinierung der Arbeitskraft 63
    2. Die Umweltkrise als Begleiterscheinung des Imperialismus 73
    3. Die Umweltkrise als gesetzmäßige Erscheinung 78
    III. Die drohende globale Umweltkatastrophe 92
    A. Hauptmerkmale des Umschlags in die globale Umweltkatastrophe 92
    A.1. Zerstörung der Ozonschicht
    93
    A.2. Beschleunigte Vernichtung der Wälder 98
    A.3. Die heraufziehende Weltklimakatastrophe 109
    A.4. Deutliche Zunahme regionaler Umweltkatastrophen 124
    B. Neue Phase im Umschlag der Umweltkrise in die globale Umweltkatastrophe 132
    B.5. Die drohende Gefahr umkippender Weltmeere 132
    B.6. Die Zerstörung regionaler Ökosysteme und das Artensterben 142
    B.7. Der rücksichtslose Raubbau an den Naturstoffen 151
    B.8. Vermüllung, Vergiftung und Verschmutzung 161
    B.9. Die unverantwortliche Nutzung der Atomenergie 176
    C. Weitere Faktoren, die den Umschlag zur globalen Umweltkatastrophe beschleunigen 193
    C.10. Zerstörerische Abbaumethoden bei der Förderung fossiler Rohstoffe 194
    C.11. Der Mangel an sauberem Süßwasser 210
    C.12. Überausbeutung der Arbeitskraft und Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen 217
    IV. Klassenkampf und Kampf zur Rettung der natürlichen Umwelt 229
    1. Imperialistischer Ökologismus und imperialistische Umweltpolitik 229
    2. Kleinbürgerliche Umweltbewegung und kleinbürgerlicher Ökologismus 239
    3. Internationaler, antiimperialistischer Charakter im Kampf zur Rettung der natürlichen Umwelt 253
    4. Eine neue Qualität der Umweltbewegung 264
    5. Umweltpolitik im Sozialismus und Rückfall im bürokratischen Kapitalismus 282
    6. Die Lösung der Umweltfrage im Sozialismus / Kommunismus 312
    Anhang:
    Literaturverzeichnis 329
  • Vorwort

    Die Umweltfrage ist ohne Zweifel im öffentlichen Bewusstsein angekommen. Weltweit wächst die Besorgnis über den Zustand der natürlichen Umwelt. Kein ernst zu nehmender Politiker, Medienschaffender, Unternehmer oder Gewerkschafter kann sich mehr erlauben, diese Frage zu ignorieren. Zu viele lokal und regional auftretende ökologische Katastrophen drangsalieren inzwischen die Menschheit.

    In der öffentlichen Meinung wird der Eindruck erzeugt, die Umweltfrage sei bei den Herrschenden und ihren Regierungen in guten Händen. In Wirklichkeit aber waren sie seit dem Aufkommen der Umweltkrise Anfang der 1970er Jahre weder willens noch in der Lage, etwas Wirksames dagegen zu unternehmen. Stattdessen treibt die Menschheit ungebremst – ja sogar beschleunigt – auf eine globale Umweltkatastrophe zu. Diese hat das Potenzial, die Grundlagen jeglichen menschlichen Daseins zu vernichten. Die Verantwortung für diese Entwicklung liegt in erster Linie bei den internationalen Übermonopolen, die heute die gesamte Weltproduktion, den Welthandel sowie Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in allen Ländern beherrschen.

    Ein neues Umweltbewusstsein ist erwacht. Doch sein Niveau reicht bei Weitem nicht aus, die existenzielle Gefährdung der Menschheit in aller Konsequenz zu begreifen. In der öffentlichen Meinung werden einzelne Faktoren der Umweltkrise – etwa die drohende Klimakatastrophe – einseitig ins Blickfeld gerückt. Zugleich werden andere, nicht minder dramatische Probleme – wie das wachsende Ozonloch, die Zerstörung der Ökosysteme der Ozeane oder der Wälder – verdrängt oder verharmlost. Vor allem werden Zusammenhänge und Wechselwirkungen weitgehend ignoriert.

    Ist es denn überhaupt denkbar, dass allein überzeugende Argumente die Verantwortlichen der kapitalistischen Profitwirtschaft dazu bringen können, diese Entwicklung zu stoppen? Ist es denkbar, dass die herrschenden internationalen Monopole plötzlich auf ihre Alleinherrschaft oder auf ihre exorbitanten Profite verzichten, nur um die Umwelt zu retten?

    Das wird nicht geschehen! Im vollen Bewusstsein der tödlichen Risiken führen sie die Erde an die Umweltkatastrophe heran! Die Verhältnisse der kapitalistischen Konkurrenz verlangen heute von den internationalen Monopolen, bei Strafe ihres Untergangs, die Überausbeutung von Mensch und Natur auf die Spitze zu treiben.

    Die sogenannte Umweltfrage ist längst zu einer höchst politischen Frage geworden. Welche Existenzberechtigung hat eine Gesellschaftsordnung, deren ganzes Dasein auf einer Mensch und Natur bedrohenden Grundlage ruht?

    Statt irgendetwas Substanzielles gegen diese Bedrohung zu unternehmen, errichteten die Herrschenden ein ganzes System des imperialistischen und kleinbürgerlichen Ökologismus, um die gesamte Menschheit zu manipulieren. Mit Beschwichtigungen, Lügen, Vertuschung und Scheinlösungen versuchen sie, dem aktiven Widerstand der Massen vorzubeugen oder ihn zu zersetzen.

    Dieses Buch lässt keinen Zweifel daran, dass die Menschheit die Umweltfrage nicht dem herrschenden Gesellschaftssystem überlassen darf. Sie wird sonst untergehen in der kapitalistischen Barbarei!

    Auf der Basis einer Vielfalt konkreter Untersuchungen kommt das Buch zu der Erkenntnis, dass sich die Menschheit inzwischen mitten im fortschreitenden Übergang zu einer globalen Umweltkatastrophe befindet. Die Lösung der Umweltfrage erfordert heute einen gesellschaftsverändernden Kampf. Nur eine internationale sozialistische Revolution kann die soziale und die ökologische Frage lösen. Erstin einer sozialistischen Gesellschaft ohne Ausbeutung des Menschen durch den Menschen bilden Mensch und Natur eine fruchtbringende Einheit. Erst in einer klassenlosen kommunistischen Gesellschaft wird die »Humanisierung der Natur« und die »Naturalisierung des Menschen« ihren relativen Abschluss finden, wie es Karl Marx formulierte.

    Um dieses große Ziel zu erreichen, muss sich die Umweltbewegung ebenso wie die Arbeiterbewegung verändern. Auch die Revolutionäre in aller Welt müssen sich ändern, sie müssen ihre politische Strategie und Taktik erweitern und entsprechend den neuen Tatsachen höherentwickeln.

    Das geht nicht ohne ernsthafte Diskussionen, ohne kritisch-selbstkritische Auswertungen und ohne Erkenntnisfortschritte in der Sache. Dieses Buch soll dazu eine Hilfe sein, ein Diskussionsbeitrag. Es ist ausdrücklich eine Streitschrift, die sich in die Strategiedebatte um die Lösung der Umweltfrage einmischt und entschieden Position bezieht. Ein Buch, das desillusionieren, aber vor allem mobilisieren und schöpferisch die Vision einer künftigen Gesellschaft zeichnen soll, in der die Umweltfrage tatsächlich gelöst werden kann.

    Das Buch verficht einen hohen wissenschaftlichen Anspruch. Es stützt sich auf gründliche Recherchen, auf Fakten der bürgerlichen Wissenschaft, um ihnen kritisch die wesentlichen Erkenntnisse abzuringen und die dialektischen Zusammenhänge aufzudecken, die in der allseitigen Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur existieren.

    Leitlinie dieses Buchs ist die dialektisch-materialistische Methode und die Theorie der grundlegenden Einheit von Mensch und Natur, die Karl Marx und Friedrich Engels bereits vor 170 Jahren entwickelt haben. Mit dem Aufkommen des Reformismus in der Arbeiterbewegung Ende des 19. Jahrhunderts wurden diese Grundlagen verworfen, missachtet, ja systematisch verdrängt. Das wirkt sich bis heute negativ auf die Arbeiter- und Volksbewegung aus.

    Neben der Würdigung der großartigen Erkenntnisse von Marx und Engels über die Dialektik von Mensch und Natur ist die streitbare Auseinandersetzung mit dem modernen Antikommunismus in der Umweltfrage ein Markenzeichen dieses Buchs. Auch verschiedenste Formen der Resignation, Verharmlosung, Vereinfachung oder Panik, die in der Umweltbewegung zu finden sind, werden weltanschaulich kritisiert.

    Das Redaktionskollektiv dankt den über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sachkundig zu diesem Buch beigetragen haben. Dazu gehören Klaus Arnecke, Architekt; Dr. med. Günther Bittel, Facharzt für Anästhesiologie und Allgemeinmedizin; Herbert Buchta, Diplombiologe und praktischer Tierarzt; Werner Engelhardt, Politologe; Adelheid Erbslöh, Diplombiologin; Oskar Finkbohner, Mitarbeiter der Gesellschaft zur Förderung wissenschaftlicher Studien zur Arbeiterbewegung e.V.; Monika Gärtner-Engel, Diplom-pädagogin; Rainer Jäger, Lektor; Prof. Dr. Christian Jooß, Physiker; Dr. Hans-Ulrich Jüttner, Physiker; Christoph Klug, Diplompsychologe und Wissenschaftsjournalist; Prof. Dr. Josef Lutz, Physiker; Dr. med. Willi Mast, Facharzt für Allgemeinmedizin; Roland Meister, Rechtsanwalt; Dr. med. Dieter Stein, Facharzt für Allgemeinmedizin; Peter Weispfenning, Rechtsanwalt; Gerd Zitzner, Diplom-Agraringenieur.

    Nicht zuletzt ist das Buch ein Ergebnis der kritisch-selbstkritischen Diskussion und Zusammenarbeit mit Aktivisten der Umweltbewegung und mit Revolutionären aus der ganzen Welt.

    Der Titel der Buchausgabe – »Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?« – soll den Ernst der Probleme ebenso bewusst machen wie die Dringlichkeit ihrer Lösung.

    Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands befasst sich in diesem Buch nicht zum ersten Mal mit der Umweltfrage. Es setzt die Reihe REVOLUTIONÄRER WEG fort, die sich schon seit 1984 grundsätzlich und systematisch vom Standpunkt des Marxismus-Leninismus aus mit der Umweltkrise beschäftigt. Es hebt aber die Erkenntnisse entsprechend den inzwischen eingetretenen Entwicklungen auf eine neue Stufe. Das Buch soll vor allem helfen, der Umweltfrage wieder einen festen Platz in der internationalen revolutionären und Arbeiterbewegung zu erobern.

    Stefan Engel, März 2014

  • Kapitel II - Kapitalismus und Umweltzerstörung - Der moderne Antikommunismus in der Umweltfrage

    Nicht zufällig attackiert der moderne Antikommunismus gerade in jüngster Zeit verstärkt die weltanschaulichen Grundlagen des Marxismus zur Einheit von Mensch und Natur.

    Bereits 1983 war anlässlich des 100. Todestags von Karl Marx der sogenannte »Wissenschaftsstreit über Marx und die Naturfrage« zwischen dem Ökonomieprofessor Hans Immler und dem Philosophen Wolfdietrich Schmied-Kowarzik entbrannt. Angesichts einer Renaissance von Marx’ Lehren im Zusammenhang mit verstärkter Kapitalismuskritik erfuhr ihr Buch 2011 eine Neuauflage.

    Im Vorwort ihres Buchs beschwören die Autoren ihre Übereinstimmung, dass die weitere Entwicklung der Menschheit von der »Lösung der ›Naturfrage‹« abhänge. (Hans Immler, Wolfdietrich Schmied-Kowarzik, »Marx und die Naturfrage«, S. 7)

    Beiden ist bewusst, dass die kapitalistische Gesellschaft, die klassenneutral als »wertgetriebene Industriegesellschaft« umschrieben wird, die Lebensgrundlagen der Menschheit bedroht. Doch in trauter Gemeinsamkeit verzerren beide auf ihre Weise die revolutionäre Position des Marxismus in der Frage der Einheit von Mensch und Natur.

    Schmied-Kowarzik möchte sich in der Rolle des Verteidigers von Marx profilieren. Ihn interessiert aber ausschließlich der »philosophische Denker«, da Marx für die praktische Lösung der Umweltfrage ohnehin nicht zu gebrauchen sei.

    Dagegen spielt Immler den Part des offen Aggressiven. Er behauptet, »dass die Marxsche Theorie einer Lösung des wohl größten Zukunft bestimmenden Menschheitsproblems eher im Wege steht. … Es bleiben die absoluten und sich verheerend auswirkenden Fehler in der Marxschen Theorie, dass nur die menschliche Arbeit als wertproduktiv und somit die Natur als wertunproduktiv behandelt wird.« (ebenda, S. 9/10)

    Das ist eine glatte Fälschung der Marx’schen Positionen – wohl in der Hoffnung, dass keiner das Original zurate zieht. Immler »übersieht« in seiner platten Auslegung der Marx’schen Kritik an der politischen Ökonomie des Kapitalismus das Wesentliche: die dialektische Unterscheidung von Tauschwert und Gebrauchswert der Waren.

    Da den Kapitalisten aufgrund seiner Profitgier und der gesetzmäßigen Konkurrenz nur die Akkumulation seines Kapitals interessiert, unterwirft er den gesamten Stoffwechsel von Mensch und Natur der Erzeugung von Tauschwert. Der Gebrauchswert verkümmert zum bloßen Mittel zum Zweck der Profitmacherei. Das haben Marx und Engels nun wirklich nicht zu verantworten! Die »Kritik« Immlers an Marx gleicht dem absurden Vorwurf an den Arzt, er habe wegen seiner Diagnose eines Krebsgeschwürs dieses gefälligst auch zu verantworten.

    Im März 2013 erschien das Buch von Ralf Fücks1 »Intelligent wachsen – Die grüne Revolution«. Es richtet sich explizit an alle, die angesichts des Scheiterns der kleinbürgerlichen Umweltbewegung nach revolutionären Alternativen suchen. Fücks attackiert darin Karl Marx und seine wissenschaftlichen Lehren über die nachhaltige Verwirklichung der Einheit von Mensch und Natur.

    »Marx ging davon aus, dass die kapitalistischen Produktionsverhältnisse (alsbald) zu eng für die stürmische Entwicklung der Produktivkräfte würden. Dann werde die Stunde der Revolution als Geburtshelfer einer neuen, sozialistischen Gesellschaft schlagen. Stattdessen häutete sich der Kapitalismus mit jeder Krise und ging verjüngt aus ihr hervor. Insoweit ist auch die Kritik am Kapitalismus Teil seines Erfolgs. … Schon die Urväter des Sozialismus unterschätzten gründlich die Wandlungsfähigkeit der kapitalistischen Produktionsweise.« (S. 304/305)

    Fücks meint, den von Marx aufgedeckten Grundwiderspruch der kapitalistischen Produktionsweise zwischen den sich revolutionär entwickelnden Produktivkräften und den reaktionären Produktionsverhältnissen schon dadurch beiseite wischen zu können, dass der Kapitalismus bisher an seinen Krisen nicht zugrunde gegangen sei.

    Von der Warte seiner eigenen, inzwischen privilegierten gesellschaftlichen Situation und Reputation aus meint er, über die verheerende allgemeine Krisenhaftigkeit des Imperialismus hinweggehen zu können.

    Wie jeder bourgeoise Nutznießer der kapitalistischen Produktionsweise himmelt er Produktivität, Technik und Wissenschaft an, um seine absurde Theorie zu begründen, der Kapitalismus gehe aus jeder Krise verjüngt hervor. Er vertuscht dabei ausdrücklich, wie der Kapitalismus seine Krisen löst: durch die Steigerung der Ausbeutung der Arbeiterklasse, durch Vernichtungsschlachten im Konkurrenzkampf, durch Kriege, durch verstärkte Niederhaltung der Massen, die sich gegen die Abwälzung der Krisenlasten zur Wehr setzen, und durch fortschreitende Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit.

    »Wodurch überwindet die Bourgeoisie die Krisen?«, fragte Marx im »Manifest der Kommunistischen Partei« und fuhr fort: »Dadurch, daß sie allseitigere und gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen, vermindert.« (Marx/Engels, Werke, Bd. 4, S. 468)

    Nicht umsonst erklärte die Geschäftsführerkonferenz des führenden deutschen Monopolverbands »Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI)« am 28. Mai 2013 Ralf Fücks zum gern gesehenen Gast und brachte seinem Buch »wohlwollendes Interesse« entgegen. (»Frankfurter Allgemeine Zeitung« vom 27. Mai 2013) Im bürgerlichen deutschen Blätterwald wurde sein antikommunistisches Machwerk hoch gelobt.

    Der geläuterte einstmalige Spitzenfunktionär der kleinbürgerlichen marxistisch-leninistischen Bewegung scheint aus Sicht der Herrschenden eine Idealbesetzung zu sein, um die Arbeiter- und Umweltbewegung mit seinem grün garnierten Gebräu aus modernem Antikommunismus und imperialistischem Ökologismus zu beglücken.

    »Wer sich für die Revolution begeistert, der findet in der grünen Revolution ein weites, lohnendes Betätigungsfeld: vom Engagement für globale Gemeingüter bis zum ›Urban Farming‹. Die Freisetzung einer neuen Welle von Erfindergeist, Enthusiasmus und Unternehmertum verändert die Welt mehr als alle Kongresse zur Wiederbelebung des Kommunismus.« (»Intelligent wachsen – Die grüne Revolution«, S. 166)

    Wie allerdings die globale Umweltkatastrophe, die Armut, der Hunger von Hunderten Millionen und die Kriege mit »Urban Farming« und dem »Engagement für globale Gemeingüter« verhindert werden sollen, bleibt das Geheimnis des hoch bezahlten grünen Spitzenphilosophen.

    Es ist kein Zufall, dass Fücks exakt in einer historischen Situation, in der sich die Erkenntnis Bahn bricht, dass die Umweltfrage eine Systemfrage ist, gegen diesen Erkenntnisfortschritt wettert.

    »Man tut der ökologischen Frage keinen Gefallen, wenn man sie als trojanisches Pferd des Antikapitalismus benutzt. Wer sich in den alten Schützengräben verschanzt, verschenkt damit Bündnismöglichkeiten bis in die Unternehmen hinein.« (ebenda, S. 304)

    Karl Marx und Friedrich Engels haben genial und visionär die Zusammenhänge zwischen der kapitalistischen Produktionsweise und den natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit untersucht. Sie haben damit der internationalen revolutionären Arbeiterbewegung wertvollste Grundlagen hinterlassen, die sie entschieden gegen alle Verfälschungen und antikommunistischen Verleumdungen verteidigen und auf die heutigen Bedingungen anwenden muss.

  • Kapitel III - Die drohende globale Umweltkatastrophe - Verheerende Vernichtung tropischer Regenwälder

    Die tropischen Regenwälder sind Lebensraum vieler indigener Bevölkerungsgruppen und haben eine besondere ökologische Funktion. Sie befinden sich zwischen dem nördlichen und dem südlichen Wendekreis in Süd- und Mittelamerika, Afrika und Südostasien. Diese immer feuchten, durchschnittlich 25 Grad Celsius warmen Urwälder wirken als globale Wärmepumpe.

    Tropische Regenwälder, dieses einmalige, vielfältige und höchst produktive Ökosystem der Erde, entwickeln sich seit etwa 60 Millionen Jahren. In ihrer dichten, zu mehreren »Stockwerken« geschichteten, feuchtwarmen Vegetation gedeihen vom Boden bis in 60 Meter Höhe die unterschiedlichsten Organismen. Obwohl sie nur sieben Prozent der eisfreien Landflächen der Erde bedecken, finden sich in den tropischen Regenwäldern mehr als die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten. Über 80 Prozent aller bekannten Nutz- und Kulturpflanzen wie Banane, Kakao, Kautschuk sind tropischen Ursprungs.

    Tropische Regenwälder, dieses einmalige, vielfältige und höchst produktive Ökosystem der Erde, entwickeln sich seit etwa 60 Millionen Jahren. In ihrer dichten, zu mehreren »Stockwerken« geschichteten, feuchtwarmen Vegetation gedeihen vom Boden bis in 60 Meter Höhe die unterschiedlichsten Organismen. Obwohl sie nur sieben Prozent der eisfreien Landflächen der Erde bedecken, finden sich in den tropischen Regenwäldern mehr als die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten. Über 80 Prozent aller bekannten Nutz- und Kulturpflanzen wie Banane, Kakao, Kautschuk sind tropischen Ursprungs.

    Vor allem seit 1950 betreiben die Imperialisten ungehemmten Raubbau an den tropischen Regenwäldern, besonders in Süd- und Südostasien. Thailand verlor zwischen 1961 und 1985 45 Prozent, die Philippinen im selben Zeitraum die Hälfte der dortigen Regenwälder.

    Mit einem Anteil von 90 Prozent an den zwischen 1980 und 2005 vernichteten Wäldern stehen die tropischen Regenwälder im Brennpunkt der Waldvernichtung. Ein Ende ist nicht absehbar. Fast die Hälfte der noch existierenden »grünen Lunge« der Erde befindet sich in den neun lateinamerikanischen Ländern des Amazonas-Gebiets. Seit 1990 wurden dort jährlich mindestens 3,65 Millionen Hektar Regenwald zerstört.

    1998 rief die brasilianische Regierung auf Initiative der Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF), der deutschen Regierung und der Weltbank das Programm »Amazon Region Protected Area« (ARPA) medienwirksam als »größtes Tropenwaldschutzvorhaben der Welt« ins Leben (www. wwf.de/themen-projekte/wwf-erfolge/amazonien-das-groesste- tropenwaldschutzvorhaben-der-welt/, Download vom 31. Januar 2014). Bis 2016 sollten nach dem ARPA-Programm 60 Millionen Hektar des brasilianischen Regenwalds gesichert werden. Tatsächlich schreitet die Zerstörung noch schneller voran.

    Von 2000 bis 2010 wurden nach Zahlen der FAO in Brasilien weitere 26,4 Millionen Hektar Regenwald vernichtet. Gleichzeitig wurde seit 2001 die Agrarfläche um 21 Prozent ausgeweitet. Der Rinderbestand am Amazonas hat sich zwischen 1992 und 2004 mehr als verdoppelt, auf 57 Millionen Tiere. Brasilien ist inzwischen zum weltgrößten Rindfleischexporteur aufgestiegen.

    Die brasilianische Regierung subventioniert die Agrarmonopole mit 75 Prozent der Investitionssummen. Riesige Plantagen für die Palmöl-, Zuckerrohr- und Sojaproduktion wurden auf Kosten des Regenwalds angelegt. Der Soja- ertrag verdoppelte sich allein zwischen 1995 und 2004 von 25 auf 50 Millionen Tonnen. Sojaschrot als eiweißreiches Mastfutter ist die Grundlage der agrarindustriellen Fleischproduktion weltweit. Brasilien stieg in Verbindung mit der Rodung des Regenwalds zum zweitgrößten Sojaproduzenten hinter den USA auf. Hauptabnehmer brasilianischen Sojas sind China und die EU.

    Ein neues Waldgesetz der brasilianischen Regierung lockerte inzwischen wieder die Auflagen und versprach unter anderem den illegalen Holz-Kahlschlägern eine Amnestie. Ohnehin werden Regenwälder weltweit zu 90 Prozent illegal abgeholzt, allen Gesetzen zum Trotz. Damit erzielen die internationalen Übermonopole gemeinsam mit der Holzschlag-Mafia schätzungsweise 30 bis 100 Milliarden US-Dollar Extraprofite.

    Der immer heftiger werdende Widerstand der Massen stößt auf brutale Unterdrückung. In Brasilien wurden allein in den letzten 25 Jahren mindestens 1 500 Umweltschützer umgebracht, meist von Auftragskillern der internationalen Monopole oder lokaler Großgrundbesitzer.

    Die Umweltminister der EU beschlossen im März 2007, den Anteil der sogenannten »Bio«-Agrartreibstoffe in Benzin und Diesel bis 2020 auf zehn Prozent zu erhöhen. Das trieb den Ausbau von Zuckerrohr-Plantagen voran. 2008 machte die brasilianische Ethanol1-Herstellung aus Zuckerrohr mit 26 Milliarden Litern bereits 38 Prozent der Weltproduktion aus. Von den Regenwäldern der brasilianischen Atlantikküste Mata Atlantica blieben nur einzelne Inseln inmitten von Zuckerrohr-Plantagen übrig.

    Palmöl wird seit den 1990er Jahren als »Bio«-Treibstoff und als Speisefett vermarktet. Die Palmöl-Produktion hat sich seit den 1980er Jahren bis 2013 auf etwa 58 Millionen Tonnen mehr als verzehnfacht. Allein Palmöl-Plantagen in Indonesien liefern 31 Millionen Tonnen. Die größten internationalen Handels- und Nahrungsmonopole wie Wal-Mart, Carrefour, Metro, Nestlé, Unilever, Kraft und McDonald’s sind beteiligt.

    Ölpalmen gedeihen am besten in den Tropen. Um sie zu pflanzen, wurden Zigmillionen Hektar Regenwald zerstört. Dennoch beschloss die indonesische Regierung, die Fläche für Palmöl-Plantagen bis 2020 auf 20 Millionen Hektar zu verdreifachen und dafür weitere Teile ihres ohnehin schon stark geschrumpften Regenwalds zu opfern.

    Am schnellsten wird der Regenwald in Afrika vernichtet. Noch ist das Kongo-Becken mit 170 Millionen Hektar das zweitgrößte Regenwaldgebiet der Erde. Doch der ursprünglich breite Waldgürtel von Senegal an der Westküste bis Uganda im Osten ist heute zerstückelt.

    2002 initiierte die Weltbank eine »Waldreform«, die vorgab, den Urwald zu schützen und eine nachhaltige Waldnutzung zu fördern: ein Versuch, der Weltöffentlichkeit vorzutäuschen, dass die internationalen Organisationen des Finanzkapitals sich um den Schutz der Regenwälder kümmern würden. Kurz darauf erlaubte die kongolesische Regierung trotz eines gesetzlichen Moratoriums die Abholzung weiterer 15 Millionen Hektar tropischen Regenwalds. Unter diesen Wäldern liegen gewaltige Reserven an Diamanten, Gold, Kupfer, Kobalt und Coltan.

  • Kapitel III - Die drohende globale Umweltkatastrophe - Wechselwirkung mit der globalen Klimaerwärmung

    Die Waldvernichtung verschärft den »unnatürlichen«, vom Menschen verursachten Treibhauseffekt und wird ihrerseits durch die Klimaerwärmung vorangetrieben. Die Stiftung »Wald in Not« schreibt dazu:

    »Höhere Temperaturen und weniger Niederschlag in der Vegetationszeit, mehr Hitzewellen, Dürreperioden, Starkregen und Nassschneefälle, häufigere Spät- und Frühfröste, stärkere Stürme und mehr gefräßige Schadinsekten: der Klimawandel wirkt sich direkt auf unsere Wälder aus. … häufiger vorkommende Extremereignisse … können zu Waldzusammenbrüchen, zum Absterben von Jungpflanzen und anderen plötzlichen Veränderungen führen.« (»Wald im Klimastress«, S. 12 und 14)

    All diese Faktoren untergraben in dramatischem Tempo die Funktion der Wälder als Sauerstoffspender und CO2-Speicher. Jochen Flasbarth, Präsident des Bundesumweltamts, sagte in einem Interview am 22. Juni 2013:

    »Es stimmt … dass in Deutschland mehr Holz geschlagen wird und der Wald seit 1990 als so genannte CO2-Senke schwächer wird. Damals nahmen unsere Wälder rund 70 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr auf. 2010 waren es nur noch rund 25 Millionen. Wenn dieser Trend nicht gestoppt wird, drohen unsere Wälder sogar zu einer Quelle für Treibhausgase zu werden.« (»Frankfurter Rundschau« vom 22. Juni 2013)

    Die Wälder verwandeln sich also schleichend von CO2-Senken in CO2-Quellen. Die Masse des in den Wäldern der Erde gespeicherten Kohlenstoffs sank von 1990 bis 2010 um sieben auf 278 Milliarden Tonnen, ein Rückgang um 2,4 Prozent.

    Die Ökologen Simon Lewis von der britischen University of Leeds und Paulo Brando vom Amazon Environmental Re-search Institute untersuchten die Auswirkungen der Dürren im Amazonasgebiet von 2005 und 2010.

    »Laut den beiden Forschern absorbiert das Amazonasgebiet in den meisten Jahren 1,5 Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre. Dadurch verschwinden große Mengen des Gases, das weltweit durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe entsteht. Jedoch absorbierten die Wälder am Amazonas nach der Dürre von 2005 zwei Jahre lang kein CO2 mehr, vielmehr setzten sie aufgrund des Verrottungsprozesses der Bäume in den Folgejahren rund fünf Milliarden Tonnen CO2 frei.« (www.focus.de/wissen, Download vom 19. September 2013)

    Verbindliche völkerrechtliche Abkommen über den Schutz der Wälder gibt es bislang nicht, lediglich jede Menge Absichtserklärungen auf den zahlreichen Umweltgipfeln. Nur der international wachsende und erbittert geführte aktive Widerstand der Massen, besonders in Ländern mit tropischem Regenwald, konnte bisher einer noch weitergehenden Vernichtung entgegenwirken.

  • Kapitel III - Die drohende globale Umweltkatastrophe - Das Zerstörungspotenzial der globalen Fracking-Pläne

    Fracking wurde schon in den 1940er Jahren in den USA entwickelt, aber erst in den 1990er Jahren auf neuer technologischer Grundlage wieder aufgenommen und vermehrt eingesetzt. Beim Fracking werden Gesteinsschichten zertrümmert, um Öl oder Gas zugänglich zu machen, das in feinsten Klüften des Gesteins eingeschlossen ist.
    Hauptsächliches Ziel ist die Gewinnung des in Kohle- und Schieferformationen in bis zu 6 000 Metern Tiefe gebundenen Methans. Um dieses Gas freizusetzen, werden über der Lagerstätte ganze Felder senkrechter Tiefbohrungen angelegt. Anschließend wird computergesteuert ein Netz horizontaler Bohrungen in die gasführenden Schichten eingebracht. Ein mit Drücken bis zu 700 bar dort eingepresstes Gemisch aus Wasser und Sand sprengt dann das Gestein auf. Das Frackwasser enthält giftige Chemikalien, die Mikroorganismen abtöten, damit diese nicht die aufgesprengten Klüfte wieder schließen. Trotzdem lassen sich beim Fracking nicht mehr als 25 Prozent des in einer Lagerstätte gebundenen Gases auffangen. Verglichen mit dem stofflichen Gehalt eines Kohleflözes liegt der Ertrag beim Fracking bei gerade fünf Prozent. Trotzdem scheinen beim Fracking Milliarden Dollar Gewinne zu winken, sonst würden dafür nicht die Ökosysteme in der tiefen Lithosphäre unwiderruflich zerstört.
    Fracking bedeutet eine Zerstörung der teilweise nur zehn Kilometer dicken Erdkruste in Tiefen bis zu sechs Kilometern, wie sie die Geschichte der Menschheit bisher nicht kannte. Zusammenhängende Gesteinsschichten werden großflächig ihrer Stabilität beraubt. Deshalb treten in Fracking-Gebieten gehäuft Erdbeben auf. Ein internationales Team von Geophysikern stellte fest:
    »Die Bewegung von Hochdruck-Flüssigkeiten im Untergrund – entweder in natürlichen Prozessen oder injiziert bei industriellen Aktivitäten – hat das Potenzial, starke Erdbeben auszulösen.« (www.wissenschaft-aktuell.de vom 27. Juli 2012)
    Fracking funktioniert nur, wenn dabei riesige Mengen mit Giften belastete Flüssigkeiten in den Boden gedrückt werden. Ein Team von Wissenschaftlern der Leibniz-Universität Hannover unter Professor Dr. Rosenwinkel untersuchte drei als repräsentativ bezeichnete Bohrfelder. Er fand heraus, dass bei jedem Frack rund 1,6 Millionen Liter Flüssigkeit aus etwa 80 Prozent Trinkwasser, 15 Prozent Sand und 5 Prozent Chemikalien eingesetzt wurden. Knapp ein Viertel der Gesamtmenge kam vermischt mit Wasser aus den Lagerstätten als »Flowback« (Rückfluss) wieder nach oben. Nach zehn Fracks fielen 3,7 Millionen Liter »Flowback« an, die entsorgt werden mussten. 12,3 Millionen Liter der Giftbrühe verblieben unter Tage oder wurden in Versenkbohrungen verpresst.
    Die Tatsache, dass die Untersuchung im Auftrag von ExxonMobil stattfand, weist darauf hin, dass sich künftig niemand mit Unwissenheit über die eklatanten Folgen herausreden kann!
    Jahrzehntelang und zum Teil bis heute versuchten die beteiligten Konzerne, die im Frackwasser verwendeten Gifte geheim zu halten. Ein Gutachten des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung (Leipzig/Halle) vom Februar 2012 enthüllte, welche Gifte – unter vielen anderen – verwendet wurden: Tetramethylammoniumchlorid, das bereits in kleinsten Dosen große Mengen Wasser vergiftet, die Nervengifte Diethylenglykol oder Methanol, Butoxyethanol, eine Leben vernichtende Substanz, Nonylphenol, das krebserregend ist und die Fruchtbarkeit schädigt.
    Im Lagerstättenwasser nachgewiesen wurden auch gesundheitsschädliche Schwermetalle wie Blei, Kadmium und Quecksilber, radioaktive Stoffe wie Strontium sowie große Mengen der aromatischen Kohlenwasserstoffe Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylol (BTEX), die alle Wasser gefährden und als krebserregend gelten. Eine umweltverträgliche Entsorgung des »Flowback« ist nach heutigem Stand der Technik nicht möglich. Menschenverachtend ist die verbreitete Methode, diese Giftbrühe in Lagerbecken verdunsten zu lassen oder sie sogar in die Luft zu versprühen.
    Das alles stellt ein enormes Gefahrenpotenzial nicht nur für die Lithosphäre, sondern auch für die Hydrosphäre dar.
    »Eine neue Untersuchung von Jahrzehnte alten Quellen im Osten Montanas (angrenzend an North Dakota) durch die Geologische Vermessungsbehörde der USA zeigt, dass Salzwasserfahnen in die Grundwasserleiter und in private Wasserbrunnen wandern und diese für Trinkwasserzwecke unbrauchbar machen.« (National Geographic, »The New Oil Landscape«, März 2013 – eigene Übersetzung)
    Auch über die angeblich abgedichteten Bohrlöcher gelangen Gifte in die natürlichen Kreisläufe. Schlumberger, eines der weltweit führenden Unternehmen für Bohrungen, gab zu, dass 43 Prozent seiner 6 692 Bohrlöcher im Golf von Mexiko undicht sind.
    Fracking gefährdet in hohem Maß die menschliche Gesundheit:

    • Stark überhöhte Konzentrationen von Siliziumstaub aus dem Quarzsand erhöhen die Lungenkrebsrate unter den Arbeitern und der Bevölkerung in der Nähe der Bohrstellen.
    • Radioaktive Stoffe, die aus der Tiefe gehoben wurden, wirken über lange Zeit krebserregend.
    • Stoffe, die Fruchtbarkeit und Erbgut schädigen, geraten in natürliche Kreisläufe und bedrohen die Fortpflanzungsfähigkeit von Menschen und Tieren.
    • Wenn Nervengifte in die Umwelt gelangen, können sie zu Lähmungen führen und Hirnschäden hervorrufen.
    • Millionen Menschen und Tieren wird der Zugang zu sauberem Trinkwasser abgeschnitten.

    2013 räumte auch der damalige deutsche Bundesumweltminister Altmaier indirekt Gefahren des Frackings ein. Er musste der öffentlichen Meinung Rechnung tragen und bis auf Weiteres Fracking in Trinkwasserschutzgebieten verbieten. Das durch Fracking vergiftete Wasser hält sich jedoch nicht an irgendwelche Schutzzonen. Außerdem wird Trinkwasser aus Zigtausend Flüssen, Quellen und Brunnen gewonnen, die außerhalb solcher Schutzgebiete liegen, aber übers Grundwasser mit den Fracking-Gebieten verbunden sind.
    Die Hauptakteure des Frackings zählen zum internationalen Finanzkapital. Unter den 500 größten Monopolen der Welt sind 89 bei der Gewinnung und Verarbeitung fossiler Rohstoffe oder bei der Produktion der dazu eingesetzten Technologie tätig. Für den Börsenwert internationaler Übermonopole wie ExxonMobil oder BP sind die Förderreserven, die sie ausweisen können, von ausschlaggebender Bedeutung. 2010 änderte die US-Börsenaufsicht ihre Regeln und erlaubte den Öl- und Gaskonzernen, auch »unkonventionelle« Lagerstätten als Reserven zu bilanzieren, was deren Aktienkurse stabilisierte oder steigerte.
    Schon zuvor war in den USA ein Fracking-Boom ausgebrochen, eingeleitet durch ein Gesetz des US-Kongresses von 2005, »Energy Policy Act«, das Fracking ausdrücklich von der Überwachung nach dem Trinkwasserschutzgesetz ausnahm.
    Von 2000 bis 2012 stieg der Anteil der »unkonventionellen« Förderung an der Gasproduktion der USA von zwei auf 40 Prozent. 2012 gab es dort mindestens 40 000 Fracking-Bohrungen. Der US-Imperialismus nutzt Fracking auch, um seine machtpolitischen Ziele abzusichern. »Energieunabhängigkeit«, also Minderung der Importe von Erdöl und Erdgas, soll seine globale Vormachtstellung stärken.
    Auch Deutschland bleibt nicht verschont. Schon 1995 führte das internationale US-Übermonopol ConocoPhilips Fracking-Versuchsbohrungen am Nordrand des Ruhrgebiets durch. Die Ruhrkohle AG war von Anfang an maßgeblich beteiligt. Nachdem es ihr nicht gelungen war, eine weltmarktbeherrschende Stellung bei der Kohleförderung zu erringen, wollte sie nun als mögliche Alternative nach »Erdgas in Kohleflözen« suchen. (»Hellweger Anzeiger« vom 12. April 2011)
    Nicht ohne Zusammenhang mit diesen Plänen strebte die RAG eine beschleunigte Stilllegung des Steinkohlebergbaus an, denn Schachtbergbau und Fracking schließen sich aus technischen Gründen gegenseitig aus.
    1997 streikten Zehntausende Bergleute sieben Tage lang selbständig gegen die Stilllegung des Steinkohlebergbaus in Deutschland und gegen die geplante Entlassung von 60 000 Bergleuten. Das machte den Fracking-Plänen der RAG vorerst einen Strich durch die Rechnung, obwohl sie damals noch kaum bekannt waren.
    In den Gremien der EU wurden die Fracking-Pläne weiter verfolgt. Das EU-Rahmenprogramm HORIZON soll von 2014 bis 2020 Subventionen von 80 Milliarden Euro bereitstellen, mit denen unter der Parole »sichere, saubere und effiziente Energie« die Energiemonopole und ihre Fracking-Vorhaben gefördert werden.
    Unter Federführung des deutschen EU-Kommissars für Energie, Günther Oettinger, beschloss die EU-Kommission 2010, den subventionierten Steinkohle-Bergbau in Europa bis 2014 weitgehend stillzulegen. Das hätte den Fracking-Vorhaben auf breiter Front Raum gegeben. Um die brodelnde Unruhe unter den Bergleuten in Deutschland zu dämpfen und die gefürchteten Bergarbeiterkämpfe zu vermeiden, wurde in Deutschland der Stilllegungstermin auf 2018 verschoben. Mit umfassenden Sozialplänen und der Propaganda vom »sozial verträglichen Auslauf-Bergbau« wird der Zusammenhang mit den Fracking-Plänen in der Öffentlichkeit vertuscht, um zu verhindern, dass Bergleute und Umweltbewegung gemeinsam gegen die Stilllegung der Kohlezechen und gegen die Fracking-Pläne kämpfen.
    Die EU drohte Frankreich und Bulgarien ein Verfahren an, als dort Fracking gesetzlich verboten wurde. Das internationale Finanzkapital nimmt auf nationale Beschlüsse keine Rücksicht. Die Fracking-Pläne haben inzwischen alle fünf Kontinente erfasst.
    Von den Energiemonopolen wird mit Fracking gefördertes Gas als »der sauberste fossile Energieträger« angepriesen. (»Westdeutsche Allgemeine Zeitung« vom 3. Mai 2013) Das Gegenteil beweist eine Studie der National Academy of Science aus den USA. Danach ist »die Verstromung von Schiefergas bereits dann klimaschädlicher als die von Kohle, wenn die Methanleckagen 3,2 Prozent der Gasförderung übersteigen.« (»Die Zeit« vom 7. Februar 2013)
    Dass diese Werte vielfach sogar deutlich überschritten werden, zeigen Messungen aus Colorado, wo unkontrollierte Me- thangas-Emissionen von durchschnittlich neun Prozent ermittelt wurden. Die US-amerikanischen Forscher bezeichnen Schiefergas und Kohleflözgas daher als »schmutzige« Gase, denn ihre Verbrennung schädigt das Klima mehr als die Verbrennung konventionellen Erdgases. Fracking wird damit zu einem zusätzlichen Faktor der beschleunigten Erderwärmung und der drohenden Klimakatastrophe.

  • Kapitel IV - Klassenkampf und Kampf zur Rettung der natürlichen Umwelt - Imperialistisch-ökologistische Machtpolitik

    Mit welchem Zynismus und welcher Rücksichtslosigkeit die internationalen Übermonopole und ihre imperialistischen Regierungen ihre Ziele verfolgen, geht aus einer geheimen Studie hervor, die im Oktober 2003 dem US-Kriegsministerium im Pentagon vorgelegt wurde. Die Geheimstudie hieß »Szenario einer abrupten Klimaänderung und seine Auswirkungen auf die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten«. Sie trug den Untertitel: »Das Undenkbare denken«. Die britische Zeitung »Observer« machte die Studie im Februar 2004 öffentlich bekannt, nachdem sie ihr zugespielt worden war. Die Studie geht davon aus, dass eine globale Klimakatastrophe die gesamte Menschheit gefährden und die menschliche Zivilisation nachhaltig zerstören würde.

    »Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass eine signifikante globale Erwärmung während des 21. Jahrhunderts auftreten wird. … Bei unzureichender Vorbereitung könnte das Ergebnis ein deutlicher Rückgang der menschlichen Tragfähigkeit der Erdumwelt sein. … Die moderne Zivilisation hat nie Wetterbedingungen erlebt, die so nachhaltig zerstörerisch sind wie die, die in diesem Szenario beschrieben sind.« (S. 1 und 14 – eigene Übersetzung)

    Die »Zukunftsvision« der Militärstrategen ist eine Bedrohung der ganzen Menschheit. Sie interessiert allein, wie sie ihre Weltherrschaftspläne unter den veränderten Bedingungen der globalen Umweltkrise absichern und ausweiten können. Dabei setzen die US-Imperialisten anmaßend als selbstverständlich voraus, dass die natürlichen Ressourcen der Erde ihnen gehören. Kaltschnäuzig prognostizieren sie:

    »Die Menschheit würde ständige Kämpfe um knapper wer­dende Ressourcen wieder zur Regel machen und die Ressour­cen würden durch die Kämpfe selbst weiter verringert über die klimatischen Auswirkungen hinaus.« (ebenda, S. 16)

    Die Militärstrategen entwerfen strategische Planspiele, die erkennen lassen, mit welcher Bestialität der Imperialismus auf die globale Umweltkatastrophe reagieren könnte.

    1. Völlige Abschottung des Lands gegen (ver)hungernde Flüchtlinge: »Die Grenzen im ganzen Land werden verstärkt, um unerwünschte, hungernde Einwanderer aus der Karibik (ein besonders schwerwiegendes Problem), Mexiko und Südamerika zurückzuhalten.« (ebenda, S. 18)

    2. Benachbarten Völkern werden die Trinkwasserreserven entzogen: »Die Spannungen zwischen den USA und Mexiko steigen, weil die USA den Vertrag von 1944 brechen, der das Fließen des Wassers des Colorado-Flusses garantiert.« (ebenda, S. 18)

    3. Der US-Imperialismus mischt sich überall auf der Welt ein, um seine Herrschaft über die Energie-, Wasser- und Nahrungsquellen zu sichern und den aktiven Widerstand der Massen gegen die Umweltkatastrophe niederzuhalten: »Das hartnäckige Problem, dem das Land sich gegenübersieht, besteht darin, die wachsenden militärischen Spannungen auf der ganzen Welt zu dämpfen. Während Hunger, Krankheiten und wetterbedingte Katastrophen aufgrund der abrupten Klimaänderungen zuschlagen, werden die Bedürfnisse vieler Länder die Tragfähigkeit überfordern. Dadurch entsteht ein Gefühl der Verzweiflung, das wahrscheinlich zu offensiver Aggression führen wird«. (ebenda, S. 18)

    4. Dazu werden der Ausbau der Atomenergie, die Ausbreitung der Atomwaffen und ein atomarer Weltkrieg ins Auge gefasst: »In dieser Welt der kriegführenden Staaten ist die Verbreitung von nuklearen Waffen unvermeidlich. … Mit der Verknappung der Energieversorgung – und der wachsenden Notwendigkeit des Zugangs dazu – wird die Kernenergie eine entscheidende Energiequelle werden und dies wird die Verbreitung von Kernwaffen beschleunigen«. (ebenda, S. 19)

    Diese Pentagon-Studie ist nur ein »Planspiel«. Doch sie wirft ein Schlaglicht darauf, mit welch eiskalter Denkweise die Imperialisten ihr »ökologisches« Krisenmanagement konzipieren – selbst angesichts der heraufziehenden Weltklimakatastrophe.

    Eine Lösung der Umweltkatastrophe sieht der imperialistische Ökologismus der USA zynisch sogar darin, dass die Bevölkerung durch Krieg, Hunger und Krankheiten reduziert wird:

    »Weil eine abrupte Klimaveränderung die Tragfähigkeit der Welt reduziert, werden Angriffskriege wegen Nahrung, Wasser und Energie wahrscheinlich geführt werden. Todesfälle durch Krieg sowie Hunger und Krankheit werden die Bevölkerungszahl verkleinern, was mit der Zeit zu einem neuen Gleichgewicht mit der Tragfähigkeit führen wird.« (ebenda, S. 15)

    Selbst vor der systematischen Reduzierung der Weltbevölkerung durch vernichtende Kriege schrecken diese Imperialisten offensichtlich nicht zurück.

    2012 erschien eine aktualisierte Studie der Bundeswehr: »Streitkräfte, Fähigkeiten und Technologien im 21. Jahrhundert – Umweltdimensionen von Sicherheit«. Sie legt mögliche Folgen eines »Tipping Points« (Kipppunkts) dar, eines Wendepunkts der gesellschaftlichen Entwicklung infolge einer drastischen Ölverknappung nach dem »Peak Oil«1: »Mittelfristig bräche das globale Wirtschaftssystem und jede marktwirtschaftlich organisierte Volkswirtschaft zusammen. … extremer Anstieg der Arbeitslosigkeit … Staatsbankrotte … Hungersnöte«. (S. 57–59)

    Da Öl heute noch unverzichtbar ist für die Energieversorgung und die Profitwirtschaft der imperialistischen Länder, soll die Ölversorgung mit allen Mitteln gesichert werden.

    »Daher gewinnt infolge des Peak Oil zur Vermeidung weiterer, möglicherweise systemkritischer Erschütterungen die Sicherung kritischer Energieinfrastrukturen an Bedeutung. … Hochseefähige Marinekräfte für Geleit- und Schutzaufgaben könnten als Notfallvorsorge zur Offenhaltung internationaler Seewege erheblich an Bedeutung gewinnen.« (ebenda, S. 79)

    Imperialismus bedeutet Krieg! In Zeiten der fundamentalen Krise der Einheit von Mensch und Natur erscheint das alte imperialistische Machtstreben im neuen Gewand des imperialistischen Ökologismus.

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"Katastrophenalarm - Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur"

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